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Chancelade
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Chancelade (Aussprache [ʃɑ̃ˈslad], okzitanisch Chancelada) ist eine französische Gemeinde mit 4468 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im DĂ©partement Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement PĂ©rigueux und zum Gemeindeverband Le Grand PĂ©rigueux. Die Einwohner werden Chanceladais und Chanceladaises genannt.

Contents

‱ Geografie
‱ Bildung
‱ Wirtschaft
‱ Verkehr
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geografie

Chancelade liegt etwa 4,6 Kilometer nordwestlich des Zentrums von PĂ©rigueux am Nordufer der Isle in der RĂ©gion naturelle des PĂ©rigord central, im touristisch benannten Teil des PĂ©rigord blanc. Die Gemeinde liegt am Pilgerweg nach Santiago de Compostela, der Via Lemovicensis, einem der vier historischen „Wege der Jakobspilger in Frankreich“.

Das Gemeindegebiet befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne und wird entwĂ€ssert außer von der Isle von ihren NebenflĂŒssen, der Beauronne und dem FlĂŒsschen Got.

Das DĂ©partement Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das GelĂ€nde ist in der Tiefe in regelmĂ€ĂŸigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das DĂ©partement lĂ€sst sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Chancelade liegt auf der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit.cite-ref-1[1] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus OberflĂ€chenformationen aus dem QuartĂ€r, einige Sedimentgesteinen aus dem KĂ€nozoikum, andere aus dem Mesozoikum.

Chancelade erstreckt sich ĂŒber eine außerhalb der bebauten FlĂ€chen bewaldete HĂŒgellandschaft. Insbesondere im Norden erstreckt sich das Waldgebiet Bois de Chancelade vollstĂ€ndig innerhalb des Gemeindegebiets, das vom breiten Tal der Isle im SĂŒden begrenzt wird und durch die TĂ€ler der Beauronne und des Got eingeschnitten wird. Die Höhen der Erhebungen werden vom Isle-Tal aus in Richtung Norden immer grĂ¶ĂŸer und erreichen knapp 200 m. Der topografisch höchste Punkt liegt mit 198 m im Norden beim Siedlungsgebiet Les Bois de Chancelade Est, der tiefste Punkt mit 73 m im Ă€ußersten SĂŒdwesten beim Austritt der Isle aus dem Gemeindegebiet. Das Zentrum liegt oberhalb des Beauronne-Tals auf etwa 98 m Höhe.

Rund 43 % der FlÀche der Gemeinde sind bewaldet, rund 34 % entfallen auf bebaute FlÀchen, rund 21 % werden landwirtschaftlich, hauptsÀchlich heterogen genutzt, rund 2 % entfallen auf Industrie-, Gewerbe- und VerkehrsflÀchen.cite-ref-2[2]

Chancelade wird von folgenden fĂŒnf Gemeinden umgeben:

NatĂŒrliche und technologische Risiken

Naturrisiken manifestieren sich in Chancelade als

‱ Überschwemmungen und den mit ihnen assoziierten Schlammströmen und Hangrutschungen, besonders entlang der Isle und der Beauronne
‱ DĂŒrren
‱ WaldbrĂ€nde
‱ Bodensetzungen

Aufgrund der SchĂ€den, die durch Überschwemmungen und Schlammlawinen in den Jahren 1982, 1990, 1993, 1996, 1997, 1999, 2000 und 2021 verursacht wurden, wurde fĂŒr die Gemeinde der Naturkatastrophenzustand ausgerufen. Im Dossier des DĂ©partements ĂŒber Hauptrisiken sind vorbeugenden Maßnahmen zur Reduktion von HochwasserschĂ€den festgelegt. Dazu gehört u. a. die Ausweisung von Zonen, die nicht oder nur nach Genehmigung bebaut werden dĂŒrfen, die Instandhaltung des Wasserlaufs, um Hindernisse zu begrenzen, und die Schaffung von RegenrĂŒckhaltebecken.

Im Gemeindegebiet nördlich der Schwemmebene der Isle besteht zur Vorbeugung von WaldbrĂ€nden eine rechtliche Plicht zur Beseitigung von GestrĂŒpp rund um HĂ€user, Straßen und andere Einrichtungen oder GerĂ€ten und eine zeitliche und rĂ€umliche BeschrĂ€nkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von AbfĂ€llen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.cite-ref-3[3]

Wie die Risikokarte zeigt, ist nahezu das gesamte Gemeindegebiet bis auf die Bereiche der TĂ€ler von Isle, Beauronne und Got im SĂŒden von einer mittleren, ansonsten von einer starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden DĂŒrre- und Regenperioden betroffen. Die DĂŒrreperioden in den Jahren 1989, 1991, 1992, 1995, 2005, 2009 und 2011 sind als Naturkatastrophen der Gemeinde klassifiziert worden. Die Erdbebengefahr ist als niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.

Ein technologisches Risiko besteht durch den Verlauf einer Erdgasleitung im Norden des Gemeindegebiets. Obwohl diese Anlagen sicher sind, kann es in sehr seltenen FÀllen zu einem Bruch oder einem Leck kommen. Dies könnte dann eine Umweltverschmutzung oder ein Unfallereignis (Explosion, Brand, giftige Wolke usw.) zur Folge haben.cite-ref-4[4]

Etymologie und Geschichte

Der Name von Chancelade erschien im 13. Jahrhundert in der latinisierte Form Cancellata, dann Chancelada (1283), was das lateinische cancellata (deutsch mit einem Gitter verschlossen) fortschreibt. Um die Herkunft des Wortes zu erklĂ€ren, wird traditionell Bezug genommen auf die GrĂŒndung des Augustinerklosters durch den Eremiten Foucault zu Beginn des 12. Jahrhunderts in der NĂ€he einer eingezĂ€unten Quelle. Denkbar ist aber auch die Bezeichnung eines umschlossenen, klar begrenzten Bereichs. Einige Lieu-dit im PĂ©rigord tragen den Namen Chancelade und es gibt dort keine Quelle. Das lateinische cancellata kommt vom Verb cancellare (deutsch eingrenzen), aus dem das Wort cancelli (deutsch Gitter) abgeleitet ist.

Der Weiler Les Andrivaux wurde 1809 eingemeindet, der die Überbleibsel einer romanischen Kirche und Reste einer Kommenden, die vom Kloster Condat abhĂ€ngig war, nachdem sie zum Templerorden gehörte. Sein Name wurde 1142 als Andro Vallo erwĂ€hnt, das zu Andrivals im 1295 wurde. Er setzt sich zusammen aus Andro, einer gallorömischen Person, und dem lateinischen vallis (deutsch (kleines) Tal).

Der Name Bouronnne ist aus zwei Wörtern der gallischen Sprache zusammengesetzt. Der erste Teil, °beber, entspricht dem lateinischen fiber und dem deutschen „Biber“. Das Wort wurde im Altfranzösischen zu biĂšvre fortgefĂŒhrt. °beber und fiber entstammen einem Ă€lteren Ausdruck, der „braun“ bedeutet, eben der Farbe des Biberfells. Das zweite Element von Bouronnne stammt vom gallischen °-onna, einer weiblichen Variante von -°onno mit der Bedeutung „FließgewĂ€sser“, Ă€quivalent zum lateinischen unda (deutsch Woge). Die Beauronne ist also der Fluss der Biber.cite-ref-dictionnaire-5-0[5]

Historiker datieren die erste menschliche Besiedlung von Chancelade in die MagdalĂ©nien-Zeit um 15.000 v. Chr. 1876 begann Michel Hardy, Archivar der Stadt PĂ©rigueux, Ausgrabungen an der FundstĂ€tte „Chez Pigeassou“ nördlich der Stadt. Er identifizierte die Besiedlung des Ortes anhand von FundstĂŒcken, die er in die MagdalĂ©nien-Zeit datierte.

1887 wurden beim Bau der Straßenbahnlinie zwischen PĂ©rigueux und BrantĂŽme ĂŒber drei Kilometer verstreute Überreste freigelegt, insbesondere in den Abris von Raymonden. Am 1. Oktober 1888 belegte die Entdeckung einer GrabstĂ€tte und des Skeletts eines RentierjĂ€gers endgĂŒltig die Anwesenheit des „großen Vorfahren“, des Cro-Magnon-Menschen, der fortan als Chancelade-Mensch bekannt sein sollte. 1988 stellten Wissenschaftler eine Verbindung zwischen dem Menschen und einer in Mitteleuropa weit verbreiteten östlichen Gruppe her. Im Jahr 2016 gelang ein bedeutender Durchbruch in der Welt der PrĂ€historiker: Studien kamen zu dem Schluss, dass der Mann möglicherweise eine Frau sei.

Nur fĂŒnf Kilometer von Vesunna, der Stadt der Petrocorier (heute PĂ©rigueux), entfernt, weist die AusgrabungsstĂ€tte Chancelade keine nennenswerten Spuren der gallischen Zeit auf. Allenfalls befindet sich auf dem HĂŒgel Puy-Rousseau ein Dolmen, den die Hirtinnen einst „Lo peyro de l'imoulaciou“, den Stein des Opfers, nannten. Ähnlich vermuten einige lokale Historiker HĂŒtten entlang der Beauronne und im kleinen Tal, die als Unterkunft fĂŒr handwerkliche TĂ€tigkeiten dienten.

Aus der gallorömischen Zeit sind nur wenige Spuren erhalten. Das Dorf war zwar nicht verlassen, doch die wenigen errichteten GebĂ€ude waren von bescheidener GrĂ¶ĂŸe und Bauart. 1857 wurde im Weiler Lespinasse eine Grabstele aus dem 2. oder 3. Jahrhundert entdeckt. Im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurde weiter sĂŒdlich eine gallorömische StĂ€tte inventarisiert: Fragmente von Ziegeln, Mörtel und Bauschutt wurden gefunden.

Vier Römerstraßen durchquerten das Dorf Chancelade. Sie verliefen von Vesunna zum Dorf Beauronne und fĂŒhrten dann weiter nach Bordeaux und Saintes, AngoulĂȘme und Limoges. Letztere, benannt nach Agrippa, dem römischen Minister, der sie erbauen ließ, begann in Lyon und endete in den PyrenĂ€en. Diese Straßen waren stark frequentiert und stellten einen strategischen und wirtschaftlichen Vorteil dar. Das Dorf selbst war lediglich ein Durchgangsort nach Vesunna, und es konnten keine besonderen AktivitĂ€ten festgestellt werden. Die Hauptattraktion war das spĂ€tere PĂ©rigueux.

Die Zeit vom 4. bis zum 6. Jahrhundert ist vom Untergang des Römischen Reiches geprĂ€gt. Entlang der TĂ€ler von Isle und Beauronne rĂŒckten die Gruppen germanischer StĂ€mme in Richtung Vesunna vor und hinterließen Tod und VerwĂŒstung. Die glĂŒcklichsten Einwohner suchten Zuflucht in der großen Stadt, geschĂŒtzt durch hohe Mauern aus Baumaterialien des Goldenen Zeitalters. In den WĂ€ldern von Chancelade wurden verheerende Schlachten geschlagen, doch Vesunna hielt stand.

Die Chronik berichtet, dass Karl der Große auf seinem Weg nach Brantîme durch Chancelade und genauer gesagt durch das Dorf Beauronne kam. Dies geschah im Jahr 778.

Dreimal, 837, 844 und 845, segelten die Wikinger die Isle hinauf und fielen in Vesunna ein. Die verĂ€ngstigten Einwohner von Chancelade suchten Zuflucht in den WĂ€ldern, insbesondere in Croix-Herbouze und in den Höhlen von Raymonden. Es folgte eine lange Zeit der VerwĂŒstung.

Zu Beginn des 11. Jahrhunderts zog sich eine Gemeinschaft von Klerikern und Laien ins Beauronne-Tal zurĂŒck und folgte damit den Spuren einer frĂŒheren religiösen PrĂ€senz. Die prachtvolle und friedvolle Lage, die NĂ€he zu dem Ort, der 1240 PĂ©rigueux werden sollte, und die natĂŒrlichen Ressourcen der Gegend waren ausschlaggebende GrĂŒnde fĂŒr diese Wahl.

Im Juni 1128 ernannte der Bischof von PĂ©rigueux den ersten Abt, GĂ©rard de Monlaudun. Die Augustinerregel leitete die Gemeinschaft, die zunĂ€chst unter dem Schutz des Bischofs von PĂ©rigueux stand, bevor sie direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt wurde. Die ersten AbteigebĂ€ude wurden errichtet und prĂ€gten so den Ort nachhaltig. 1139 wurde in der NĂ€he die Templerkomturei Les Andrivaux gegrĂŒndet. Die Abtei wurde zu einer Station fĂŒr Pilger, die von VĂ©zelay auf dem Weg nach Santiago de Compostela aufbrachen. Dies sollte die Via Lemovicensis werden.

Der HundertjĂ€hrige Krieg brachte die Ordensgemeinschaft in große BedrĂ€ngnis, da ihr Einfluss aufgrund ihres Besitzes und Reichtums allerlei Habgier weckte. 1370 befreite Bertrand du Guesclin die Abtei von den englischen Besatzern. Nach seinem Abzug besetzten die EnglĂ€nder die Abtei erneut und hielten sie bis Mitte des 15. Jahrhunderts besetzt. Dies war eine Zeit der PlĂŒnderungen, in der bewaffnete Banden Gewalt unter der Bevölkerung von Chancelade verbreiteten. Die Schlacht bei Castillon im Jahr 1453 beendete die Unruhen, und eine neue Gemeinschaft wurde gegrĂŒndet, um die Abtei wiederzubeleben.

1572 bedrohten die Hugenottenkriege die Gemeinschaft erneut. 1617 hielten nur noch vier Mönche einen Anschein von Leben an dem Ort aufrecht, der dem Untergang geweiht schien. Da traf Alain de Solminihac ein und begann mit dem materiellen und spirituellen Wiederaufbau der Abtei. Bis 1623 hatte die Abtei ihren Glanz wiedererlangt und zahlreiche Novizen aufgenommen.

Dann, im Jahr 1649, brach der BĂŒrgerkrieg aus, besser bekannt als die Fronde. Die Abtei wehrte die Angriffe mit Hilfe der umliegenden Pfarreien ab. WĂ€hrend die meisten Ordensgemeinschaften einen langsamen Niedergang erlebten, wurde die Abtei Chancelade zur bedeutendsten im PĂ©rigord. Ihr intellektueller und religiöser Ruf zog die Elite des Adels und des BĂŒrgertums des PĂ©rigord an.

Die Französische Revolution von 1789 besiegelte das Ende der Gemeinschaft. Der Verkauf der GebĂ€ude erfolgte am 7. November 1792. Pierre Lajugie, der Sohn eines Notars, wurde der neue EigentĂŒmer und begann, zahlreiche GebĂ€ude abzureißen, um Material fĂŒr den Straßenbau zu gewinnen, insbesondere fĂŒr die Straße zwischen PĂ©rigueux und RibĂ©rac.

Im Jahr 1793 nahm die Gemeinde Beauronne den Namen Chanselade an, der 1801 in Chancelade korrigiert wurde.cite-ref-dictionnaire-5-1[5]cite-ref-ehess-6-0[6]

Im 19. Jahrhundert begann der unterirdische Steinbruchbetrieb in Chancelade und erreichte seinen Höhepunkt mit dem Bau der Eisenbahnstrecke, die PĂ©rigueux mit Brive-la-Gaillarde, Limoges, Agen und Bordeaux verband. In dieser Zeit wuchs die Bevölkerung von 800 auf 1400 Einwohner. Der Abbau begann 1847 an dem Standort, an dem sich heute das Unternehmen befindet. In etwa vierzig Jahren wurden auf dem sechs Hektar großen GelĂ€nde etwas mehr als 200.000 Kubikmeter Gestein abgebaut.

Der Stein von Chancelade birgt sowohl die besten als auch die schlechtesten Eigenschaften der Geschichte. Seine herausragendste Eigenschaft ist seine außergewöhnliche Reinheit, die ihn berĂŒhmt machte, als er fĂŒr den Bau von Sakralbauten, insbesondere der Abtei und der Saint-Jean-Kapelle in Chancelade, verwendet wurde. Der Stein von Chancelade ist weiß und von besserer QualitĂ€t als der aus den SteinbrĂŒchen von PĂ©rigueux (Saint-Georges und Les Maurilloux), der blĂ€ulich-grau ist. Der Architekt Abadie verwendete den Stein bei der Restaurierung der Kuppeln der Kathedrale von PĂ©rigueux. Er ersetzte das alte Dach durch Steinkuppeln im Stil der Hagia Sophia in Konstantinopel.

Mit dem Bau der Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Chancelade-Stein in den gesamten SĂŒdwesten Frankreichs exportiert: ins Aveyron und ins Puy-de-DĂŽme. Dort wurde er fĂŒr den Bau von Eisenbahninfrastruktur verwendet: WohnhĂ€user, BrĂŒcken, Viadukte, öffentliche GebĂ€ude und Bahnhöfe (beispielsweise Valence d’Agen und Saint-Martin in PĂ©rigueux). Sogar die Pont de Pierre in Bordeaux enthĂ€lt Pilaster aus Chancelade-Stein.

1885 erreichte der Steinbruchbetrieb seinen Höhepunkt. Die SteinbrĂŒche wurden von den Familien Himbert und Chaigneau betrieben, spĂ€ter von der Familie Marquet bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Neben dem Steinbruchbetrieb ging BarthĂ©lemy Imbert 1870 eine Partnerschaft mit einem Pariser PilzzĂŒchter ein, der durch Haussmanns Stadterneuerungsprojekte aus der Hauptstadt vertrieben worden war.

Am 25. Oktober 1885 ereignete sich eine Katastrophe. Nach einem Einsturz wurden vierzehn Menschen in den SteinbrĂŒchen lebendig begraben. Heute wird dies kaum noch erwĂ€hnt; in einem Teil der ehemaligen SteinbrĂŒche wurden Pilzzuchtbetriebe eingerichtet. Der Stein wird nur noch selten abgebaut. Vor etwa dreißig Jahren wurde er fĂŒr den Bau des zeitweise grĂ¶ĂŸten Teleskops der Welt verwendet, dem Palomar-Observatorium in den Vereinigten Staaten.

Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Ende des 20. Jahrhunderts erlebte Chancelade ein starkes Bevölkerungswachstum. Die Einwohnerzahl stieg von 1200 auf ĂŒber 4000. Wie so oft wĂ€hrend des Nachkriegsbooms der „Dreißig Glorreichen Jahre“ wandelte sich der lĂ€ndliche Charakter des Ortes allmĂ€hlich zu einer Pendlerstadt. Dank einer gut geplanten Stadtentwicklung konnte die Landschaft jedoch erhalten und das historische Erbe bewahrt werden.

Mit diesem Wachstum gingen auch der Handel und der Dienstleistungssektor einher. Nationale Ketten wie Jardiland, Leroy Merlin, Grand Frais und Sodigel siedelten sich neben lokalen Betrieben wie La Périgourdine an.

Gleichzeitig werden stillgelegte SteinbrĂŒche durch eine Pilzzucht ersetzt. Champidor produzierte jĂ€hrlich etwa 500 Tonnen braune Champignons. Sie werden an einem ungewöhnlichen, aber geeigneten Standort angebaut.cite-ref-7[7]

Bevölkerungsentwicklung

SehenswĂŒrdigkeiten

‱ Ehemalige Abtei Notre-Dame von Chancelade, im 12. Jahrhundert gegrĂŒndet, von den Protestanten im 16. Jahrhundert zerstört und spĂ€ter wieder aufgebaut. Sie ist in verschiedenen Teilen seit 1909 als Monument historique klassifiziert oder eingeschrieben. Zum Areal der Abtei gehören weitere Sakralbauten:

‱ Kirche Notre-Dame
‱ Kapelle Saint-Jean, seit 1912 als Monument historique klassifiziert

‱ Abri von Raymonden, in der Jungsteinzeit bewohnt (das gefundene Skelett wurde dem Cro-Magnon-Menschen zugeordnet) und Hort zahlreicher Artefakte, Beispiel frankokantabrischer Höhlenkunst, seit 1926 als Monument historique klassifiziert
‱ Das im Stil Napoleons III. erbaute Schloss Reynats aus dem spĂ€ten 19. Jahrhundert mit Turm ĂŒberblickt einen Park mit jahrhundertealten BĂ€umen. Es wird heute von einem Hotelbetrieb bewirtschaftet.
‱ Sog. Castel Keruel
‱ Anwesen Chilhaud aux Andrivaux, frĂŒhere Kommende des Templerordens

Bildung

Chancelade verfĂŒgt ĂŒber

‱ eine öffentliche Vorschule (École maternelle) und
‱ eine öffentliche Grundschule (École Ă©lĂ©mentaire)cite-ref-11[11]

Wirtschaft

ErwerbstÀtigkeit

| Chancelade [ 12 ] | Chancelade [ 12 ] | Chancelade [ 12 ] | Département [ 13 ] | Département [ 13 ] | Département [ 13 ] | Metropolitan-Frankreich [ 14 ] | Metropolitan-Frankreich [ 14 ] | Metropolitan-Frankreich [ 14 ] |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Gesamt | MĂ€nner | Frauen | Gesamt | MĂ€nner | Frauen | Gesamt | MĂ€nner | Frauen |
| 77,2 % | 80,0 % | 74,6 % | 74,5 % | 75,7 % | 73,2 % | 75,3 % | 77,9 % | 72,8 % |

Die BeschÀftigungsrate der Gemeinde ist höher als die des Départements Dordogne und die von Metropolitan-Frankreich. Im Vergleich zu 2016 stieg die Gesamtquote der Gemeinde um 3,6 %. Die weitaus meisten BeschÀftigten der Bewohner arbeiteten 2022 in einer anderen Gemeinde (80,4 %), allerdings 1,6 % weniger als in 2016. Dabei benutzten sie zur Arbeitsstelle zu 86,8 % ein Auto, einen Last- oder Lieferwagen, nur 2,3 % ein öffentliches Verkehrsmittel.cite-ref-insee-12-1[12]

| Chancelade [ 12 ] | Chancelade [ 12 ] | Chancelade [ 12 ] | Chancelade [ 12 ] | Département [ 13 ] | Département [ 13 ] | Département [ 13 ] | Département [ 13 ] | Metropolitan-Frankreich [ 14 ] | Metropolitan-Frankreich [ 14 ] | Metropolitan-Frankreich [ 14 ] | Metropolitan-Frankreich [ 14 ] |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Gesamt | 15–24 | 25–54 | 55–64 | Gesamt | 15–24 | 25–54 | 55–64 | Gesamt | 15–24 | 25–54 | 55–64 |
| 8,7 % | 15,2 % | 8,1 % | 7,0 % | 11,8 % | 23,5 % | 10,6 % | 10,0 % | 11,3 % | 22,3 % | 10,1 % | 9,4 % |

Die Arbeitslosenquote ist bei allen Werten niedriger im Vergleich zum gesamten Département und zu Metropolitan-Frankreich. Im Vergleich zu 2016 fiel die Gesamtarbeitslosenquote der Gemeinde um 1,4 %, in der Altersklasse der 15- bis 24-JÀhrigen um 4,2 %.cite-ref-insee-12-3[12]

Branchen und Betriebe

332 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2023 in Chancelade wirtschaftlich aktiv:cite-ref-insee-12-4[12]

| Branche | | |
|---|---|---|
| Branche | Anzahl | % |
| Gesamt | 332 | |
| Fertigung, Bergbau und andere Industrien | 20 | 6,0 % |
| Baugewerbe | 48 | 14,5 % |
| Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie | 90 | 27,1 % |
| Information und Kommunikation | 8 | 2,4 % |
| Finanzen und Versicherungen | 15 | 4,5 % |
| Immobilien | 10 | 3,0 % |
| Fachbezogene, wissenschaftliche und technische TĂ€tigkeiten sowie administrative und unterstĂŒtzende DienstleistungstĂ€tigkeiten | 57 | 17,2 % |
| Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln | 46 | 13,9 % |
| Andere Dienstleistungen | 38 | 11,4 % |

Die fĂŒnf umsatzstĂ€rksten Unternehmen mit Sitz in der Gemeinde im Jahr 2024 waren:cite-ref-figaro-15-0[15]

‱ Marsac, Einzelhandel in nicht spezialisierten GeschĂ€ften (2.094.210 €)
‱ Buton, Herstellung von Metallkonstruktionen und Bauteilen (844.883 €)
‱ Stores Jc., Herstellung von Textilwaren, ausgenommen Bekleidung (318.367 €)
‱ Hotel De La Beauronne, Hotels und Ă€hnliche UnterkĂŒnfte (250.711 €)
‱ Fix'it, Großhandel (B2B) mit Eisenwaren (237.545 € €)

Im April 2024 wurde Champidor, ein Produzent von Bio-Champignons, unter gerichtliche Verwaltung gestellt. Drei Monate spĂ€ter wurde das Unternehmen fĂŒr insolvent erklĂ€rt, was den Verlust von 47 ArbeitsplĂ€tzen bedeutete.cite-ref-16[16]

Landwirtschaft

Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Produktion von GemĂŒse oder Pilzen.cite-ref-17[17] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 25 bei der LandwirtschaftszĂ€hlung von 1988, auf 16 im Jahr 2000, auf 7 im Jahr 2010 und auf 3 im Jahr 2020, insgesamt ein RĂŒckgang von 88 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte FlĂ€che verringerte sich von 202 Hektar im Jahre 1988 auf 27 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte FlĂ€che pro Betrieb stieg hingegen von 8,1 Hektar auf 9 Hektar.cite-ref-18[18]cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]

Fernwander- und Radwanderwege

Der 1932 Kilometer lange Fernwanderweg GR 36 „De la Manche aux PyrĂ©nĂ©es“ von Ouistreham (DĂ©partement Calvados) nach Bourg-Madame (DĂ©partement PyrĂ©nĂ©es-Orientales) durchquert das Gemeindegebiet von Ost nach West ebenso wie der Fernwanderweg 361 von Abjat-sur-Bandiat nach Bergerac und der Fernwanderweg GR 654, der in seinem Verlauf der Via Lemovicensis Ă€hnelt.cite-ref-21[21]cite-ref-22[22]cite-ref-23[23]

Der Radwanderweg V56 von Metz nach Saint-Jean-Pied-de-Port fĂŒhrt bei Chancelade am Ufer der Isle entlang. Er folgt der Via Lemovicensis, einem der vier Jakobswege in Frankreich.cite-ref-24[24]

Verkehr

Die zur Departementsstraße D 710 herabgestufte ehemalige Nationalstraße N 710, die von RibĂ©rac von Westen kommend nach Fumel ĂŒber PĂ©rigueux fĂŒhrt, durchquert das sĂŒdliche Gemeindegebiet. An der Grenze zum Stadtgebiet von PĂ©rigueux stĂ¶ĂŸt sie auf die von Norden kommende, zur D 939 herabgestufte ehemalige Nationalstraße N 139.

Die D 710e zweigt von der D 710 auf dem Gebiet von Marsac-sur-l’Isle in Richtung SĂŒden ab, ĂŒberquert die Isle und trifft auf die D 6089, die herabgestufte ehemalige Route nationale 89 auf dem gegenĂŒberliegenden Isle-Ufer.

Chancelade ist ĂŒber Stadtbusse von mehreren Linien des Netzwerkes PĂ©ribus des Gemeindeverbands Le Grand PĂ©rigueux an PĂ©rigueux verkehrstechnisch gut angebunden.cite-ref-25[25]

Die Bahnstrecke Limoges-BĂ©nĂ©dictins–PĂ©rigueux durchquert das östliche Gemeindegebiet von Chancelade ohne Haltepunkt.

Literatur

‱ Chantal Tanet, Tristan HordĂ©: Dictionnaire des noms de lieux du PĂ©rigord. Éditions Fanlac, PĂ©rigueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).

Weblinks

Commons

: Chancelade

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Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ GĂ©ologie de la Dordogne-PĂ©rigord. Éditions Esprit de Pays, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-22. ↑ RĂ©partition des superficies en 15 postes d’occupation des sols (mĂ©tropole). CORINE Land Cover, 2018, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-33. ↑ Dossier des DĂ©partements ĂŒber Hauptrisiken. (PDF) DĂ©partement Dordogne, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-44. ↑ Les risques prĂšs de chez moi. Ministerium fĂŒr ökologischen Wandel, BiodiversitĂ€t, WĂ€lder, Meer und Fischerei, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-dictionnaire-55. ↑ Tanet, HordĂ©, Seiten 47, 97–98
cite-note-ehess-66. ↑ Notice Communale Chancelade. EHESS, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-77. ↑ Histoire et patrimoine. Gemeinde Chancelade, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-81. Populations légales 2006 Commune de Chancelade (24102). INSEE, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-92. Populations légales 2013 Commune de Chancelade (24102). INSEE, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-103. Populations légales 2020 Commune de Chancelade (24102). INSEE, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-1111. ↑ Annuaire. Nationales Bildungsministerium, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-insee-1212. Dossier complet Commune de Chancelade (24102). INSEE, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-dep-134. Dossier complet Département de la Dordogne (24). INSEE, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-france-145. Dossier complet France métropolitaine. INSEE, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-figaro-1515. ↑ Unternehmen in Chancelade. Le Figaro, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-1616. ↑ Champidor : clap de fin. Gemeinde Chancelade, abgerufen am 8. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-1717. ↑ Territoriale Spezialisierung der landwirtschaftlichen Produktion im Jahr 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-1818. ↑ Allgemeine Daten der landwirtschaftlichen Betriebe mit Sitz in Chancelade. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-1919. ↑ Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe und deren durchschnittliche landwirtschaftlich genutzte FlĂ€che 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-2020. ↑ Gesamte landwirtschaftlich genutzte FlĂ€che 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-2121. ↑ GRÂź36 De la Manche aux PyrĂ©nĂ©es. gr-infos.com, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-2222. ↑ Les routes du PĂ©rigord. routard.com, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-2323. ↑ GRÂź654 Via Lemovicensis - De GuĂ©-d’Hossus (Ardennes) Ă  Saint-Palais (PyrĂ©nĂ©es-Atlantiques). gr-infos.com, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-2424. ↑ V41 et V56 – Saint-Jacques Ă  VĂ©lo. VĂ©lo & Territoires, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
cite-note-2525. ↑ Plan du rĂ©seau. (PDF) Gemeindeverband Le Grand PĂ©rigueux, Oktober 2025, abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).